Hintze's Kunstwerkstatt
Hintze's Kunstwerkstatt

Meine erotischen Bilder

Analytische Bemerkungen zu meiner Malerei anlässlich der Erstellung des Werkverzeichnisses ab Oktober 2011

 

Aufbau:

 

Neue Werke nach 2006 – Homepage

 

Malerei 1980 bis 1994

 

Malerei 1995 bis 2005

 

Skizzen seit 1960 bis heute, soweit erhalten (z.T. aus den Skizzenbüchern entnommen)

 

Pastelle und Zeichnungen mit Kreidestiften und Kohle

 

Bleistift- und Buntstiftzeichnungen

 

Linol- und Holzschnitte bzw. Drucke dazu

 

 

Das ergibt zunächst 7 Kapitel. Die einzelnen Alben werden auf Facebook Schritt für Schritt veröffentlicht, allerdings ohne Begleitkommentare. Nur Titel und Technik werden genannt, keine expliziten Daten zu den einzelnen Bildern, auch nicht das Format, schon gar kein Preis.

 

Es wird nichts erklärt, so nach dem Motto: Das hat sich die Malerin dabei gedacht. Der Betrachter soll frei sein, selber denken. Wenn er Lust hat, kann er es sein lassen oder seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Der Gefällt- Mir-Button ist auch ganz nett...oder eben „gefällt mir nicht“.

Diese Aufzeichnungen und Bemerkungen, die hier in der nächsten Zeit aufgeschrieben werden, sind nur für mich. Sie sind zu lesen wie meine Autobiographie. Meine Bilder spiegeln die Höhen und Tiefen meines Lebens wider. Und wenn ich die interpretiere, ist das auch schon wieder subjektiv.

Es ist aber für mich notwendig, mehr Klarheit über mich und mein Schaffen, meine Obsession, zu erlangen. Aus neuen Erkenntnissen können neue Werke entstehen, so wie es passiert ist durch das Wunder der Liebe, diesen „Knall“, der die Welt für mich veränderte, nachdem sie einen Moment stehen geblieben war.

 

Es gab immer erotische Bilder („Balz“), aber sie waren ganz anders als die, die seit 2008 entstanden sind. Es gab immer Aktbilder, auch ab und zu männliche, aber sie waren doch meines Erachtens immer zurückhaltend. Jetzt sind sie eindeutig, ein Penis ist halt ein Penis, und wenn er steht, dann steht er richtig. Was für ein Vergnügen!

 

Wer damit nicht umgehen kann, hat selber Schuld. Ich genieße den Tabubruch wie so mancher Regisseur, der mit Sexszenen nicht spart. Sie gehören zum Leben und sind kein Porno, wenn sie gut gemacht sind und Gefühle der echten Liebe rüberbringen.

Das geht nur, wenn man die Liebe selbst erlebt und ausgekostet hat, dann ist es authentisch, echt - weder kitschig noch pornographisch.

Die meisten Menschen verwechseln das oder können ihre eigene Verklemmtheit nicht erkennen, geschweige denn überwinden.

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Nun werde ich zu einigen immer wiederkehrenden Formen etwas schreiben, als da sind die labyrinthischen Rundungen, die baulich nicht zu verwirklichenden Architekturen und die darin auftauchenden Gestalten, wie in „Drinnen und Draußen“ und vielen anderen Bildern im Album 1980-1994.

 

Ich liebe Rundungen!

 

Es ist für mich der Ausdruck höchster Harmonie, wenn sich ein Gebilde aus runden Formen aufbauen lässt. Gut, einige Ecken und Kanten erhöhen die Spannung, aber die Rundungen erhöhen das Wohlfühlgefühl. Ich kann die Männer so gut verstehen, dass sie sich zu uns hingezogen fühlen!

Das Eckige, Kantige tut weh, zerreißt, das Runde, der Kreis, fügt zusammen.

Natürlich ist der Kreis auch manchmal negativ als Symbol der Vergeblichkeit, der Unendlichkeit, der ewigen Wiederkehr. Aber da ist es schon eine Frage der Perspektive und persönlichen Befindlichkeit, ob ich das negativ interpretiere.

 

In meinen früheren Bildern gibt es viele runde Formen, aber sie werden oft aufgelöst, zersplittert. So war mein Leben – unruhig, von Verlustängsten durchsetzt, auf der Suche nach Liebe, der großen Liebe. Daran habe ich immer geglaubt, wissend, dass sie passieren muss, man kann sie nicht herbeizaubern, man erlebt sie oder nicht.

Aber dieser feste Glaube, dass es sie gibt, war immer in mir und hat mich diese Bilder malen lassen.

Noch ein paar Worte zur Phantasie. Ich träumte manche Bildmotive und gewöhnte mir an, diese Motive und ganze Träume aufzuschreiben, aufzuzeichnen, wenn möglich. So kann ich mich noch heute bildhaft an viele Träume erinnern. Sicher verarbeite ich noch heute vieles , ohne mir dessen immer bewusst zu sein.

Nun sind diese Träume manchmal Albträume..... auch das spiegeln viele Bilder, vor allem die, in denen ich Farbe und Formen bis zum Geht-nicht.mehr auflöse. Es sind vor allem die Bilder aus den frühen 1980er Jahren. Ich war damals sehr allein.

 

Man sieht, Phantasie kann auch belastend sein. Ich muss sie umsetzen, bannen, indem ich male, was in meinem Kopf ist. Es sind immer Bilder, keine Worte. In meinen Träumen wird nicht gesprochen, es ist ganz still. Stummfilme, ohne Musikbegleitung,

 

Soundless silence.....

 

Ich liebe die Erdfarben, die Rot- und Brauntöne. Das wird immer so sein, auch wenn mal Blau vorkommt oder ich ein paar Bilder male, die ich die „Rosa Bilder“ nenne. Das sind vor allem erotische Bilder, sie schweben irgendwie im Raum. Sie sind in einer anderen Dimension, eigentlich schon, während ich sie male.

 

Landschaften pur kommen selten vor. Landschaft entwickelt sich als Form aus Figuren und Gegenständen, die dadurch ihrer Realität beraubt werden, denn realistisch malen will ich nicht. Das hatten wir schon. Ich bilde nicht ab, ich deute meine Empfindungen für mich ganz persönlich in meinen Bildern. Es ist eine Geheimsprache, die wenige gute Freunde entschlüsseln können. Alle anderen machen damit, was s i e wollen, bitte schön!

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Zur Analyse meiner Bilder gehört auch, dass man einiges erfährt über meine Vorarbeiten zu den Bildkompositionen und Inhalten sowie zur Technik der Malerei, zunächst der Ölmalerei.

Ich benutze ab und zu Vorlagen. Das können Fotos aus Zeitschriften sein, eigene Fotos u.a. . Diese werden nie eins zu eins übernommen. Es sind Anregungen, die vielfältigen Veränderungen unterworfen werden. Später sind die Vorlagen selten zu erkennen. Ich mache zunächst Skizzen, eben um die Idee mit der evtl. Vorlage meiner Handschrift zu unterwerfen. Die Skizzen sind häufig ganz klein in meinem Skizzenbuch, erst später, wenn ich weiß, was ich wie darstellen will, kopiere ich sie und vergrößere sie mit dem Episkop auf ein großes Papierformat, Karton oder Himalayapapier und mache eine Zeichnung, mit Bleistift, Kohle, Pastell, manchmal schon farbig, manchmal weiß gehöht und was man sonst noch so ausprobieren kann. So kann es passieren, dass manche Zeichnung fertigen Bildcharakter bekommt, z.B. „African Madonna“ – die Weißzeichnung auf schwarzem Karton, die nach der Kohlezeichnung und natürlich vor dem Ölbild entstanden ist.

Es ist manchmal eben ein weiter Weg zum Ölgemälde....

 

Die Leinwände – belgische Leinwand oder Baumwollsegeltuch für glattere Gründe – ziehe ich selbst auf Keilrahmen und grundiere sie auch eigenhändig nach einem bewährten Rezept mehrfach. Ich will schwach saugende Gründe. Erfahrung mit der richtigen Mischung habe ich seit der Schulzeit. Mein Lehrer Johannes Mangels hat mir alles damals beigebracht.

Er war mein Entdecker und großer Förderer.

 

Auf die nackte, nun weiße Leinwand zeichne ich mit Kohle oder Bleistift dünn eine umrisshafte Skizze, die Konturen und einige wenige wichtige Schatten oder Dunkelheiten werden mit ockerfarbener Tempera ausgemalt. Sitzt die Untermalung und ist trocken, überziehe ich die gesamte Leinwand mit Malmittel, das ich auch selbst anrühre – nicht zu fett und nicht zu mager.

Das muss dann ca. zwei Tage trocknen. Es darf nicht verlaufen, die Leinwand muss liegen, sonst gibt es Schlieren und die Ölfarbe läuft da hinein.

 

Ehe ich endgültig anfange mit Öl zu malen, gucke ich mir immer wieder die Untermalung an, dabei entsteht das Bild immer deutlicher vor meinem geistigen Auge. Ich überlege, wo ich anfange, an welcher Stelle fühle ich, dass es geht, wo ist mir alles am klarsten. Es ist keine rationale Entscheidung, sondern ein Hineinhorchen in mich selbst, in mein Bild.

 

Es kann Tage dauern, bis ich mir sicher bin. Manchmal fange ich auch andere Entwürfe an oder schreibe weiter an meinem Buch.... Der richtige Augenblick kommt einfach, plötzlich ist es soweit. Das ist sehr oft spät abends, wenn alles so ruhig ist, ich vor der Staffelei sitze, die Leinwand angucke und mich in sie hineinsehe.

 

Dieser ganze handwerkliche Prozess ist ungemein wichtig für mich. Es sind dies die Momente der Selbstfindung, ohne die authentische Bilder unmöglich sind.

 

Es sind keine Dekorationen, keine Inszenierungen oder gar Plakate.

Meine Bilder sind nie beliebig. Nie austauschbar. Sie sind ICH.

 

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Nun muss ich noch einiges zu meinen Zeichnungen schreiben. Sie entstehen nicht „nebenbei“, obwohl es mir manchmal so vorkommt. Oft ist der Anfang einer Zeichnung der Versuch mit dem Ziel, eigentlich ein Ölbild daraus zu machen. Doch das geschieht oft gar nicht mehr, weil die Absicht verloren gegangen ist beim Entstehungsprozess: Es ist ein Bild mit vollem Bildcharakter entstanden, unbeabsichtigt. Ich habe einfach solange daran gearbeitet, bis ich zufrieden war.

Beim Zeichnen mit Kreiden (Kohle, Pastell, seltener Ölkreide, Bleistift, Graphit oder einer Mischung aus allem, manchmal sogar mit Aquarell und Weißhöhungen/Aryl) eigne ich mir ein Motiv an und entferne mich von jeglicher Vorlage.

Ein wesentlicher Moment ist nicht die Abstraktion sondern eine Art Entfernung, eine Vereinfachung, auch technisch. Ich versuche die Konturen aufzulösen, zu verwischen.

Ich nenne diese Technik absichtlich VERWISCHEN: es ist ein malerischer Prozess – weg von der allzu klaren Zeichnung. Besonders Konturen sollen weich sein, Linien, notwendige Begrenzung sollen so dünn wie möglich sein. Die Kontur ist da, aber man nimmt nicht wahr, wodurch sie da ist. Wenn es keine Linie ist, kann es eine Dunkelheit sein oder eine Farbe, ein anderer Farbton, eine Struktur.

Das alles ist nicht neu – aber man muss es für sich bei jedem Bild neu erarbeiten.

 

Deshalb liebe ich die Pastellzeichnung so sehr, denn es ist eine malerische Technik, so wie ich sie mache. Ich sehe dabei aus wie Schweins, denn ich trage erst die Kreide dick auf und dann beginnt der emotionale HAPTISCHE Prozess. Das Wischen mit allen Fingern, der ganzen Hand (besonders bei den Hintergründen).

Ich benutze alle 10 Finger (so sehen sie dann auch aus – ins Gesicht darf ich mir dann nicht fassen...) und b e i d e Hände, ich arbeite tatsächlich beidhändig, auch sonst oft, z.B. wenn ich im Garten pflanze, rupfe usw..

 

Nur links schreiben kann ich nicht. Hätte man es mich gelehrt, ich hätte es bestimmt gelernt, links und rechts zu schreiben. Es muss ja nicht gleichzeitig sein, obwohl ich das spannend fände.

 

 

Für Pastelle bevorzuge ich farbige Papiere, Fotokarton zum Beispiel. Aber es war ein besonderes Erlebnis, als ich die handgeschöpften Papiere aus den Himalayaregionen entdeckte. Diese Papiere zwingen einen, großzügig zu malen, den rauen Untergrund mit allen Unregelmäßigkeiten einzubeziehen. So laufe ich nicht Gefahr, pingelig zu werden, kleinkariert zu malen und mich in überflüssigen Details zu verlieren.

Die Flächen werden weich, es wird kräftig verrieben, die Farbaufträge vermischt. Zwischendurch, wenn’s sitzt, wird natürlich fixiert – und wieder was drübergesetzt, das hat aber seine Grenzen, irgendwann geht nichts mehr. Man muss also wohl dosieren und konzentriert arbeiten – emotional schon, aber auch mit Verstand. Ich muss wissen, was ich will und vor allem, wie bei jedem Bild, muss ich wissen, wann es gut ist, wann ich aufhören muss.

 

Auch das will gefühlt sein......Plötzlich ist es so: Ich weiß, da ist diese innere Stimme: „Hör auf“, sagt sie....Guck dir morgen alles noch mal an, bei Tageslicht, aus einer anderen Perspektive – und entscheide dann, ob du signieren willst oder weiter machst, oder dies und das noch verbesserst.

 

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Ich bevorzuge softe Pastelle mit wenig Bindemittel. Deshalb auch die Zwischenfixierungen.

Das Malen mit „Händen und Füßen“ ist für mich wie das Eintauchen in klares, weiches Wasser, es hat etwas Körperliches, es ist wie guter Sex – ein außerordentliches Gefühl, bei dem Zeit und Raum verschwinden.

 

Für Kohlezeichnungen verwende ich auch nur die weiche englische Kohle, ganz dünne Stangen, die dann ständig brechen und auf der Erde rumliegen.

Konturen verwischen, wieder neu erstellen, Flächen von tiefschwarz bis grau, weiße Lichter stehen lassen oder mit dem Knetgummi herausradieren – phantastisch.

 

Und wenn mal was danebengeht, wird’s zerrissen und landet im Altpapier.

Auch das kommt vor.

 

Leinwände werden mit Sandpapier bearbeitet und übergrundiert. Zum Wegwerfen sind sie wirklich zu teuer!

 

Bleistift- und Buntstiftzeichnungen mache ich in letzter Zeit seltener in großen Formaten. Tatsächlich sind sie immer mehr zu Skizzen im Skizzenbuch degradiert worden, Buntstifte (Polychromos) dienen zur Farbfindung. Manche Zeichnungen wirken trotzdem ziemlich fertig. Sie werden kopiert und dienen als Vorlagen für ein großes Bild. Ich liebe große Formate. Sie sind eine Herausforderung, für mich jedenfalls.

Und sie wirken!

Und sie befreien!

 

Linol- und Holzschnitt habe ich lange nicht mehr gemacht, sie waren eine Technik in den späten 1990er Jahren, eigenständig und einbezogen in Ölbilder, also gedruckt auf Leinwände (Dolores, der Läufer und viel Delmenhorstbilder, auch das Jahresplakat mit dem Widder). Ich habe zeitweise geschnitten wie verrückt und es sind gute Sachen dabei entstanden. Jetzt reizt mich das nicht mehr, es ist erstmal vorbei.

Es war auch der Versuch, Grafik und Malerei zu verbinden und etwas Neues entstehen zu lassen in Harmonie.In obengenannten Bildern ist es gelungen.

Ich sehe jetzt keine Notwendigkeit mehr, das zu machen. Die Technik ist ausgereizt und ich muss weiterkommen. So muss man immer wieder mit etwas abschließen, ganz bewusst. Auch Motive, Inhalte sind irgendwann vorbei, müssen es sein. Nichts ist schlimmer als ein Künstler, der sich ewig wiederholt und der Gefahr erliegt, sich selbst zu kopieren.

 

Ich denke, dies ist ein guter Überblick über meine Techniken, die ich bis heute, 3. November 2011, verwendet habe. Und die Absichten, die ich damit verfolgte und weiter verfolgen werde.

 

Es bleibt die Hoffnung, dass ich all das weiterentwickeln kann, dass noch Neues kommt, wie und wodurch auch immer.

 

Neue Versuche, neue Inhalte, neues Erleben – Bilder, zu denen ich stehen kann. Bilder, die nur ICH malen kann, kein anderer. Einzigartige ORIGINALE.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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